Am fünften Spieltag der 1. Bundesliga kam es am 10.10.2020 in der Buchholzer NordHeideHalle zum Nord-Derby zwischen den HL Buchholz 08-Rosengarten und dem VFL Oldenburg, das die Gäste verdient mit 21:25 für sich entscheiden konnten. Die Luchse bleiben mit 2:8 Punkten auf dem 14 Platz, während die Oldenburgerinnen mit 6:4 Punkten auf den sechsten Rang der aktuellen Tabelle klettern konnten. Für den VFL war Merle Carstensen mit acht Toren die erfolgreichste Schützin, bei den Luchsen traf Kim Berndt siebenmal.

Das brisante Derby begann sehr nervös und mit einem klassischen Fehlstart beider Mannschaften, so vergab Jenny Behrend zweimal nach Ballverlusten der Luchse völlig unbedrängt, dennoch gingen die Gäste nach fünf Minuten durch Marie Steffen mit 1:0 in Führung. Nach sieben Minuten gelang der Heimmannschaft durch einen Doppelschlag von Julia Herbst und Evelyn Schulz das Spiel kurzzeitig zu drehen. Doch bis zur 13. Minute schaffte der geschickt spielende VFL einen 3:6 Vorsprung im Luchsbau, der im weiteren Verlauf des Spieles durch Jenny Behrend auf 4:8 erhöht werden konnte, da die Luchse eine doppelte Unterzahl nicht kompensieren konnten. Mit der Einwechslung von Neuzugang Fatos Kücükyildz änderte sich das bis dahin statische Spiel der Luchse, denn sie konnte einen Strafwurf herausholen, der von Spielmacherin Kim Berndt verwandelt wurde und die Schwedin selber verkürzte mit ihrem Treffer auf 7:9 und hielt die Luchse in Schlagdistanz. In der 22. Minute bejubelten die lautstarken Fans in der NordHeideHalle eine weitere Verkürzung durch Evelyn Schulz auf 8:9, aber der VFL konnte sich erneut mit drei Treffern Vorsprung zum Spielstand 8:11 absetzen. Die Heimmannschaft hielt aber dagegen und brachte die sonst so stabile Abwehr in Bedrängnis. In den letzten drei Minuten der ersten Halbzeit trafen nur noch die Luchse. Erneut trafen Kim Berndt und zweimal Evelyn Schulz zum Pausenstand von 11:11, allerdings ein wenig glücklich, denn kurz zuvor krachte ein Ball des Gegners an den Pfosten des von Mareike Vogel gehüteten Gehäuses- In der ersten Halbzeit machte der VFL den insgesamt besseren Eindruck, denn sie agierten weniger hektisch. Aufgrund der nur spärlich besetzten Bank spielten die Gäste ruhig und Kraft sparend. Die 5-1 Deckung der Luchse funktionierte ordentlich und gab dem Oldenburger Rückraum kaum Möglichkeiten zum erfolgreichen Torabschluss, aber über Außen konnte sich der VFL immer wieder erfolgreich in Szene setzen. Insgesamt muss man aber konstatieren, dass beide Teams im Abschluss zu wenig aus ihren Chancen machten.

Im zweiten Abschnitt des Derbys gingen die Luchse nach 45 Sekunden nach einem verwandelten Strafwurf durch Kim Berndt mit 12:11 in Führung. Aber durch einen 3-0 Lauf wechselte die Führung wieder zu den Oldenburgerinnen und durch harte und kompromisslose Aktionen in der Abwehr fiel es ihnen auch nicht schwer das statische Spiel der Luchse im Keim zu ersticken. Die angeschlagene Marleen Kadenbach blieb wirkungslos und Sarah Lamp kam mit der Spielweise der Gäste überhaupt nicht zurecht. Spielmacherin Kim Berndt versuchte alles, um ihre Mitspielerinnen einzusetzen, aber die Torausbeute war schwach. Bis zur 45. Spielminute gelang den HL Buchholz 08-Rosengarten lediglich vier Tore und all diese Erfolge mussten hart erarbeitet werden. Ein Lichtblick war die Einwechslung des schwedischen Talents Louise Cronstedt, die in der 47. Spielminute zum 16:19 verkürzen konnte. Aber das ruhig spielende Oldenburger Team ließ sich nicht mehr vom Erfolgskurs abbringen und vergrößerte ihren Vorsprung durch Jane Martens in der 51. Minute auf fünf Treffer. Aber die Disqualifikation von Lisa-Marie Fragge schien das Derby noch einmal heiß zu machen, denn bis drei Minuten vor Ende der Partie verkürzten Kim Berndt, Julia Herbst und Evelyn Schulz auf 21:23, aber durch unglückliche Aktionen verspielten sie ihre Möglichkeiten, so dass der VFL am Ende mit 21:25 verdient die Oberhand behielt.

Für die HL Buchholz 08-Rosengarten war der Ausgang des Derbys eine empfindliche Niederlage nach einer insgesamt schwachen Leistung. Beim VFL Oldenburg war von Beginn an ein klares Konzept zu erkennen, nämlich aufgrund der angespannten Personalsituation die Angriffe lange auszuspielen, wenn die Rückraumspielerinnen nicht zum Zug kommen würden, was ja auch der Fall war. So spielten sie geduldig und erzielten ihre Tore vorwiegend über den Kreis, ihre Außen und durch Strafwürfe. Mit der knallharten Abwehr kamen die Luchse überhaupt zurecht und so musste jedes Tor mühsam erkämpft werden. Insgesamt zeigten die Oldenburger Spielerinnen eine bessere Körpersprache und verdeutlichten dem Gegner ihren Siegeswillen, während das Spielerinnen aus der Nordheide doch sehr mit sich selbst beschäftigt waren.

„ Ich kann meine Enttäuschung über den Ausgang des Derbys nicht verhehlen, denn mein Team hat den eigenen Erwartungen nicht standgehalten. Wenn du zu Hause nur 25 Gegentore zulässt, dann musst du das Spiel eigentlich gewinnen, deshalb mache ich der Abwehr keinen Vorwurf. Kämpferisch hat auch alles gestimmt, aber im Angriff müssen wir uns steigern, besonders bei Situationen wo die Möglichkeit besteht das Spiel zu kippen. Hier müssen wir unbedingt konzentrierter, zielorientierter und klarer agieren und nicht so viele unnötige Fehler machen. Wir werden in den nächsten Trainingswochen an unserer Chancenverwertung arbeiten besonders bei freien Würfen, um in Zukunft enge Spiele auch für uns entscheiden zu können.“, erklärt Dubravko Prelcec, der Trainer der HL Buchholz 08-Rosengarten.

Für den neutralen Beobachter war es dennoch überraschend, dass die Oldenburger über die gesamte Spielzeit den frischeren Eindruck machten. Auch sind neun Strafwürfe im Spiel einfach zu viel und 21 erzielte Tore in eigener Halle zu wenig, um einen dezimierten Gegner zu besiegen, der bei guter Tagesform zu bezwingen gewesen wäre. Dennoch gab es auch Lichtblicke, wie das unermüdliche Wirken von Kim Berndt, der Klasseleistung von Evelyn Schulz oder die Granaten aus dem Rückraum von Louise Cronstedt, die bei vier Versuchen dreimal traf.

Matthias Steinkamp vom Luchse Trainer-Team resümiert: „Wir alle sind sehr enttäuscht, aber wir mussten uns gegen eine clevere Oldenburger Mannschaft verdient geschlagen geben. Von der harten gegnerischen Deckung haben sich manche Spielerinnen den Schneid abkaufen lassen. Unser Spiel war viel zu statisch und es ist uns nicht gelungen einfache Tore über die erste und zweite Welle zu erzielen, deshalb mussten wir mit viel Aufwand jedes Tor erkämpfen. Als Aufsteiger lassen wir aber nicht die Köpfe hängen, sondern werden die kommende Trainingswoche dazu nutzen, um unsere Fehler aufzuarbeiten und gegen unseren nächsten Gegner HSG Blomberg/Lippe ein besseres Spiel zu zeigen.“