Während der Corona-Pandemie zieht es viele Buchholzer vermehrt ins Freie. Verständlich: Im heimischen Garten arbeiten oder im Wald spazieren gehen ist gesund und macht gute Laune. Doch leider lauert auch eine kleine, tierische Gefahr draußen auf uns – Zecken. Wo wir besonders achtsam sein sollten, wie wir uns schützen und verhalten müssen, wenn uns doch mal eine gestochen hat, erklärt uns Apothekerin Martina Kreyer aus der Stadt-Apotheke.  

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Buchholz Connect: „Frau Kreyer, Sie sind eine absolute Expertin rund ums Thema Zecken. Ab wann muss ich mich vor Zecken schützen?“

Martina Kreyer: „Zecken überwintern gut versteckt im Garten unter altem Laub und werden ab Temperaturen von 5-7°C wieder aktiv. Wenn also im Frühjahr die Gartenarbeit wieder losgeht, besteht die Gefahr, erste Bekanntschaft mit den Spinnentierchen zu machen. Wusstet Ihr, dass eine Zecke bis zu zehn Jahre alt werden kann?“

BC: „Nein, aber das beruhigt mich irgendwie nicht so richtig. Wo muss ich mich vor Zecken in Acht nehmen?“

Apothekerin Martina Kreyer

MK: „Zecken fallen nicht – wie weitläufig vermutet – von Bäumen, sondern warten geduldig im hohen Gras oder an Büschen bis 1,5 Metern Höhe auf ihren Wirt, der sie im Vorbeigehen abstreift. Zecken sind sowohl im heimischen Garten sowie im Wald, aber auch in der Stadt vorzufinden. Je milder der Winter ist, desto mehr Zecken sind im Laufe des Jahres zu erwarten.“

Zecken sind ab Frühjahr in Stadt, Garten und Wald anzutreffen

BC: „Also eigentlich können die kleinen Tiere überall lauern. Wie kann ich mich denn vor Zecken schützen?“

MK: „Ganz wichtig sind diese Maßnahmen:

  1. Langärmelige, helle Kleidung, evtl. Socken über die Hose ziehen: So haben die Zecken keine Möglichkeit, sich festzusetzen und können auch schnell aufgefunden und abgestreift werden.
  2. Insektenschutz vor dem Aufenthalt im Freien auftragen. Die enthaltenen Inhaltsstoffe, z.B. Icaridin, wirken bis zu fünf Stunden abwehrend auf die Zecken und sind auch für Kinder ab zwei Jahren zugelassen.
  3. In der Gartensaison, nach einem Waldspaziergang oder einer Fahrradtour im Grünen gehört der ‚Zeckenblick‘ jeden Abend zum Alltag. Der Körper, insbesondere Kniekehlen, Körperfalten, Schrittbereich, bei Kindern besonders auch der Kopfbereich, etc. werden hierbei genau überprüft und abgesucht.
  4. Solltet Ihr tatsächlich eine Zecke finden, entfernt diese zügig und dokumentiert, an welcher Stelle und an welchem Tag Ihr den Zeckenstich hattet.“

Schutz ist wichtig, da Zecken Krankheiten übertragen können

BC: „Warum können Zecken für den Menschen so gefährlich sein?“

MK: „Zecken können durch ihren Stich verschiedene Krankheiten auf den Menschen übertragen, die langwierig, aber eben auch lebensbedrohlich sein können. Die beiden wichtigsten sind Borreliose und FSME. Die Lyme-Borreliose ist eine bakterielle Erkrankung, die über einen Zeckenstich durch Übertragung von Bakterien, den Borrelien, hervorgerufen wird. Diese Erkrankung kommt auch in unserer Gegend häufiger vor und hat viele Gesichter. Eine Borreliose macht sich zunächst oftmals durch eine typische Hauterscheinung, die sogenannte Wanderröte bemerkbar. Es bildet sich nach dem Zeckenstich dabei ein ringförmig großflächiger, roter, juckender Hautausschlag, der sich ausweiten kann. Im weiteren Verlauf kann es aber eben auch zu Lähmungserscheinungen, chronischen Gelenkschmerzen oder Organschäden kommen. Weil die Borrelien in der Zecke im Dünndarm zu finden sind, dauert eine Übertragung von der Zecke auf den Menschen im Allgemeinen 12-24 Stunden, dennoch sollte eine Zecke zügig entfernt werden, um eine Ansteckung zu vermeiden. Die gute Nachricht bei dieser Erkrankung: Rechtzeitig erkannt, ist sie mit Antibiotika gut zu behandeln.

Zecken schnell entfernen und auf Symptome achten

Die andere Haupterkrankung ist FSME, Frühsommer-Meningoencephalitis, eine durch Viren ausgelöste Hirnhautentzündung. Vor allem in Süddeutschland, aber auch z.B. in Schweden, sind viele Zecken Träger dieses Virus, seit letztem Jahr gibt es auch Fälle im Emsland. Die Erkrankung verbreitet sich also auch bis zu uns nach Niedersachsen. Das Risiko hierbei ist, dass das Virus im Speichel der Zecken zu finden ist, also sofort beim Stich übertragen werden kann. Erschwerend kommt hinzu, dass es keine ursächliche Therapiemöglichkeit für die unter Umständen lebensgefährlich verlaufende Erkrankung gibt. Man kann sich jedoch impfen lassen und diese Impfung, sie besteht aus drei Teilimpfungen, empfiehlt sich für Menschen, die beruflich viel im Wald zu tun haben, wie Forstarbeiter oder auch für Naturliebhaber, die häufig im Wald unterwegs sind oder ihren Urlaub in Risikogebieten verbringen möchten.“

Achtet auch auf Eure Tiere

BC: „Hundebesitzer finden sehr regelmäßig Zecken an ihren Vierbeinern. Muss ich mir auch Sorgen um meinen Hund machen, wenn er gestochen wurde?“

MK: „Natürlich sammeln Hunde oder auch Katzen bei ihren Streifzügen durchs Dickicht die eine oder andere Zecke ein. Auch sie können erkranken, aber hier können Tierbesitzer vorbeugend etwas tun: Für Hunde gibt es tatsächlich eine Impfung gegen Borreliose. Zudem kann man mit Spot-On-Präparaten den Hund behandeln oder mit Zeckenhalsbändern für eine gewisse Dauer die Zecken fernhalten. Aber Vorsicht: Präparate mit Permethrin sind wohl für Hunde, aber nicht für Katzen geeignet, so dass bei der Wahl des richtigen Präparats mit dem Tierarzt Rücksprache gehalten werden sollte. Von Naturprodukten wie Teebaumöl o.ä. ist eher abzuraten, weil die Wirksamkeit nicht erwiesen ist. Letztendlich halte ich es für sehr wichtig, das Tier nach dem Spaziergang auf Zecken abzusuchen und diese zu entfernen, um den tierischen Freund zu schützen.“

BC: „Und wenn mich doch, trotz aller Vorsicht, mal eine Zecke gestochen hat?“

MK: „Das Wichtigste ist: Ruhe bewahren! Das Tier möglichst nicht quetschen oder mit Öl oder Alkohol behandeln, sonst gelangen unnötig Erreger in die Wunde. In der Apotheke gibt es verschiedene präzise anzuwendende Zeckenzangen, -Lassos oder auch -Karten, mit denen sich die Plagegeister sicher und einfach entfernen lassen. Die goldene Regel bei der Technik lautet: Die Zecke langsam, hautnah und kontrolliert zu entfernen. Eine Drehrichtung gibt es nicht. Nach dem Entfernen ist es sinnvoll, die Einstichstelle zu desinfizieren und sie die nächsten Tage im Blick zu behalten, um eventuelle Hautveränderungen schnell wahrzunehmen.“

Hilfe gibt es in der Stadt- und der Löns-Apotheke

Der Drive-in Autoschalter der Stadt-Apotheke

Insektenschutz sowie Zeckenzangen bekommt Ihr jederzeit in der Stadt-Apotheke oder an deren Autoschalter in der Kirchenstraße 7. Einfach mit dem Auto vorfahren, Präparate kaufen und wieder nach Hause fahren. Oder Ihr bestellt sie ganz einfach online im neuen Shop der Löns Apotheke. Dort gibt es alles für Eure Gesundheit, inklusive eines kostenlosen Lieferservices.

Bildquellen

  • Martina Kreyer Apothekerin der Stadt Apotheke: Löns Apotheke
  • Stadt Apotheke Außenansicht: Löns Apotheke
  • Zecke: Shutterstock