Der Buchholzer Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse hat sich zum Umgang mit der Corona-Pandemie mit einem offenen Brief an die Buchholzerinnen und Buchholzer sowie die Gäste der Stadt gewandt. Wir veröffentlichen seinen Brief im Wortlaut.

„Liebe Buchholzerinnen und Buchholzer,
liebe Gäste unserer Stadt,

die schnelle Verbreitung des Coronavirus ( SARS-CoV-2 ) in der ersten Märzhälfte diesen Jahres hat mit Wirkung vom 16. März einschneidende Beschränkungen des privaten und öffentlichen Lebens erfordert. Schulen und Kindertagesstätten wurden geschlossen, ebenso, mit wenigen Ausnahmen, der Einzelhandel. Das Kino, Restaurants, Schwimmbad, Sportvereine und Fitnessclubs, ja selbst die Kirchen waren und sind von den Maßnahmen betroffen. Tatsächlich hat sich die Ausbreitung des Virus durch diese Maßnahmen spürbar verlangsamt. Deshalb werden jetzt Schritt für Schritt die Beschränkungen gelockert in der Hoffnung, dass diese schrittweise Lockerung nicht zu einer zweiten Infektionswelle führt. Wir müssen also in den kommenden Monaten unser privates und öffentliches Leben mit dem Wissen organisieren, dass Schutzmaßnahmen gegen die Verbreitung des Virus weiterhin erforderlich und deshalb zwingend einzuhalten sind.

Tatsächlich hat sich die Ausbreitung des Virus durch diese Maßnahmen spürbar verlangsamt

Eine der größten Herausforderungen ist derzeit die stufenweise Öffnung der Schulen. Als Träger der Grundschulen und der Oberschule steht die Stadt im engen Austausch mit dem Landkreis und dem Kultusministerium, um den Schulbetrieb unter Einhaltung des vom Kultusministerium erstellten Rahmen-Hygieneplans sowie der allgemeinen Sicherheits- und Abstandsanforderungen schrittweise wieder aufzunehmen. Trotz aller Vorkehrungen in den Schulen selbst sind wir aber auch auf die Mitwirkung der Schülerinnen und Schüler sowie der Eltern angewiesen.  Es ist deshalb hilfreich, das Einhalten von Hygiene- und Abstandsregeln auch bereits zu Hause mit den Kindern angemessen zu thematisieren. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes oder einer textilen Barriere ist sinnvoll, um das Risiko, eine andere Person durch Husten, Niesen oder Sprechen anzustecken, zu vermindern. Dennoch ist auch mit Mund-Nasen-Schutz immer der nötige Abstand einzuhalten und auf Händehygiene zu achten.

Im Bereich der Kindergärten und –Krippen stellen wir eine Notbetreuung sicher, solange diese Einrichtungen geschlossen sind. Bisher konnten wir die Nachfrage nach Notbetreuungsplätzen in den Einrichtungen abdecken. Die jetzt eingeleitete, schrittweise Öffnung der Einrichtungen ist für alle Beteiligten eine große Herausforderung.

Ich freue mich ausdrücklich darüber, dass die allermeisten Einzelhändler in Buchholz ihre Geschäfte wieder öffnen konnten. Das Ordnungsamt hat mir berichtet, dass die Vorkehrungen, die in den Geschäften in Sachen Hygiene und Abstand getroffen wurden, in 98% der Fälle vorbildlich sind. Auch die „Maskenpflicht“ wird durchweg akzeptiert, wenngleich diese Maßnahme sicherlich für viele gewöhnungsbedürftig ist. Mit Sorge beobachte ich aber auch, dass sich wieder vermehrt größere Gruppen von Menschen zusammenfinden, ohne auf Abstand zu achten. Auch auf dem Wochenmarkt ist das Gedränge zeitweise recht groß. Wir versuchen, die Einhaltung der Abstandsregelungen durch Markierungen einfacher zu gestalten. Notfalls würden wir die Zahl der Marktstände deutlich reduzieren müssen, was die betroffenen Marktbeschicker hart treffen würde. Deshalb appelliere ich an dieser Stelle ganz besonders an Sie, sich stets umsichtig und rücksichtsvoll zu verhalten und auch mit dem vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz den Abstand einzuhalten.

AUCH DIE „MASKENPFLICHT“ WIRD DURCHWEG AKZEPTIERT, WENNGLEICH DIESE MASSNAHME SICHERLICH FÜR VIELE GEWÖHNUNGSBEDÜRFTIG IST

Die Arbeit im Rathaus läuft seit dem 27. April wieder im Normalbetrieb. Allerdings haben wir zum Schutz der Bürger*innen, aber auch der Mitarbeiter*innen Vorkehrungen getroffen, die eine gegenseitige Ansteckung ausschließen sollen. Künftig werden Sie Ihren Sachbearbeiter*innen durch eine Plexiglasscheibe getrennt gegenübersitzen, und auch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Rathaus ist Pflicht. Um die Zahl der Besucher im Rathaus kontrollieren zu können, ist eine telefonische Anmeldung und Terminvereinbarung zwingend erforderlich. Weiterhin gilt die Empfehlung, Dinge, die sich per Telefon oder schriftlich erledigen lassen, auf diesem Wege zu erledigen. Die Stadtbücherei wird am 11. Mai ihre Türen wieder für Sie öffnen.

Auch die Ratsarbeit wird im Mai wieder aufgenommen werden. Es finden Ausschusssitzungen statt, und der Rat wird am 14. Mai tagen. Erstmals werden wir die Sitzungen in der EMPORE abhalten, weil dort ein ausreichender Abstand aller Beteiligten sichergestellt werden kann. Für die Öffentlichkeit steht eine, aus Sicherheitsgründen begrenzte, Zahl von Plätzen zur Verfügung. Wie im Rathaus, gilt auch hier für Besucher die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.

Der kommende Sommer wird in Buchholz anders sein, als wir es gewohnt sind. So haben wir ganz bewusst auf die Inbetriebnahme des Wasserspiels auf dem Peets Hoff und des Stelenbrunnens auf dem Markt verzichtet. Wir wollen keinen Anreiz schaffen, sich dort aufzuhalten. Alle großen Veranstaltungen in der Stadt sind bis zum 31. August 2020 abgesagt. Das gilt für die Schützenfeste, aber auch für das Weinfest, das Radrennen Großer Preis von Buchholz oder auch den Stadtlauf. Auch die Nachbargemeinden im Landkreis haben ihre Veranstaltungen und Feste abgesagt. Bei derartigen Veranstaltungen können die Hygiene- und Abstandsregelungen nicht eingehalten werden. Der Schutz der Gesundheit hat auch hier oberste Priorität. Ein Hoffnungsschimmer ist die Entwicklung eines Impfstoffes, der nach Expertenmeinung im nächsten Jahr zur Verfügung stehen könnte. Bis dahin werden wir unseren Alltag anpassen und lernen müssen, mit dem Virus und der Ansteckungsgefahr zu leben.

Der Schutz der Gesundheit hat (…) oberste Priorität

Wichtig ist, dass wir trotz des veränderten Alltags weiterhin die vielfältige Vereinslandschaft, die für das Zusammenleben in unserer Stadt so prägend und so wichtig ist, mit aller Kraft fördern und unterstützen. Ich appelliere deshalb an dieser Stelle ganz ausdrücklich an Ihre Solidarität mit den Vereinen. Sie sind für unsere Stadt mit all ihren Aktivitäten unerlässlich.

An dieser Stelle danke ich Ihnen allen für Ihr Verständnis und bisheriges, größtenteils vorbildliches Verhalten bei der Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln. Ganz besonders möchte ich denen danken, die im Gesundheitswesen und in der Pflege bis an die Grenze ihrer Kräfte gehen, die im Bereich der Versorgung und Entsorgung dafür gesorgt haben, das es auch in Zeiten der besonders einschneidenden Beschränkungen an Nichts gefehlt hat, den stets umtriebigen Ehrenamtlichen, und schließlich auch allen, die – an welcher Stelle auch immer – den „Laden“ am Laufen halten. Dem Einzelhandel wünsche ich gute Geschäfte. Unterstützen Sie, liebe Buchholzer*innen, unseren örtlichen Handel und unsere örtliche Wirtschaft insgesamt. Sie sorgt dafür, dass unsere Stadt bunt und lebendig ist. Ich persönlich habe in den letzten Wochen in unserer Stadt eine Gemeinschaft erlebt, die geprägt war von großem Zusammenhalt, von Solidarität und gelebter Nachbarschaft. Das stimmt mich für die kommenden Wochen und Monate optimistisch. 

Bleiben Sie weiterhin gesund, halten Sie bitte Abstand und tragen Sie Mund-Nasen-Schutz.

Es grüßt Sie herzlich,
Ihr Jan-Hendrik Röhse
Bürgermeister“    

Bildquellen

  • Jan-Hendrik Röhse: Stadt Buchholz