Die Autorin Sabine Weiß wohnt Asendorf, gibt am Gymnasium am Kattenberge den Kurs „Kreatives Schreiben“ und ist oft bei Blau-Weiss-Buchholz in der Kletterhalle zu finden. Gerade wurde ihr neuer historischer Roman „Der Chirurg und die Spielfrau“ im Lübbe-Verlag veröffentlicht – unter erschwerten Bedingungen, da Buchläden aktuell geschlossen sind. Wir haben sie gefragt, wie sie mit dieser Situation umgeht und wie Leser jetzt die Buchbranche unterstützen können.

Buchholz Connect: „Ihr Roman ‚Der Chirurg und die Spielfrau‘ dreht sich um eine Reise durch die mittelalterliche Medizin und die Geschichte der Kreuzzüge 1217. Auch in der Gegenwart befinden wir uns alle auf einer gemeinsamen Reise, in unserem Fall durch die Corona-Krise. Wie sind Ihre Gefühle, dass gerade jetzt Ihr Roman erscheint?“

Sabine Weiß: „Einerseits ist es großartig, dass ‚Der Chirurg und die Spielfrau‘ jetzt veröffentlicht wird. Es ist aufregend, nach so einer langen Zeit im ’stillen Kämmerlein‘ eine Reaktion von den Leserinnen und Lesern zu bekommen. Die Recherchen für einen historischen Roman sind ja immer besonders lang und intensiv. Andererseits ist die derzeitige Situation natürlich für Autoren und überhaupt alle ‚Buchmenschen‘ furchtbar. Auch ich mache mir selbstverständlich Sorgen.“

BC: „Was kann die Corona-Krise für Autoren bedeuten?“

SW: „Wenn es ganz hart kommt: die Insolvenz – genau wie bei vielen anderen Menschen in dieser Situation. Viele Autoren haben zwar einen ‚Brotjob‘ – aber auch der ist möglicherweise nicht mehr sicher. Ich habe das Glück, derzeit einen Verlag an meiner Seite zu haben. Aber selbst für die großen Verlage dürfte der Corona-Shutdown gravierende Folgen haben, die heute noch gar nicht absehbar sind. Verlage werden pleite machen, genau wie Buchhandlungen. Amazon hingegen konzentriert sich in dieser Krise auf Haushaltswaren – aber braucht man Badeschaum wirklich dringender als eine gute Lektüre? Kann ein gutes Buch das Herz nicht mehr stärken, als irgendwelche Vitaminpräparate? Deshalb sollte man sich heute unbedingt an den Buchladen um die Ecke halten.“

BC: „Erkennen Sie in der Buchbranche eher Angst oder Aufbruchsstimmung in dieser Situation?“

SW: „Beides. Die Umsatzeinbrüche werden gewaltig sein, und das in einem Bereich, der ohnehin durch die Digitalisierung zu leiden hat. Auf der anderen Seite entwickeln die Verlage neue Wege, um Buchhandlungen zu unterstützen und Kontakt zu den Lesern aufzunehmen. Es gibt Live-Lesungen, Podcasts usw. Von manchen dieser Entwicklungen werden wir sicherlich auch nach der Corona-Krise noch profitieren.“

BC: „Wie können die Menschen Autoren in dieser Situation unterstützen?“

SW: „Lesen Sie! Nutzen Sie den schnellen und zuverlässigen Bestellservice der lokalen Buchhandlungen. Verzichten Sie auf billige Lese-Flatrates, weil diese nur Cent-Beträge an Autoren auszahlen und mit der kreativen Leistung anderer Geld verdienen. Wenn Sie ein gutes Buch gelesen haben – erzählen Sie es weiter. Mundpropaganda ist heute wichtiger denn je.“

BC: „Für den 6. April hatten sie eine Lesung in Jesteburg geplant, die natürlich ausfallen muss. Dafür wird es nun aber eine Live-Lesung über den Instagram Kanal des Lübbe-Verlags geben. Haben Sie schon einmal eine Lesung im Internet gemacht?“

SW: „Nein, noch nie, und ich bin entsprechend aufgeregt. Hoffentlich klappt alles!“

BC: „Warum ist Ihr Roman die perfekte Lektüre für die Corona-Zeit?“ 

SW: „‚Der Chirurg und die Spielfrau‘ ist zu jedem Zeitpunkt die perfekte Lektüre, wenn man historische – oder überhaupt breiter angelegte – Romane mag. Es ist eine spannende, hoffentlich bewegende Geschichte, die in Norddeutschland ihren Anfang nimmt und auch ein Stück unbekanntere norddeutsche Historie erzählt. Ein besonderer Blick auf die Medizin spielt eine Rolle. Gerade die Heilkräfte der Musik können wir uns auch heute zunutze machen, denn Singen blockiert das Angstzentrum. Und warum mein Roman die perfekte Lektüre für die Corona-Zeit ist? Weil ihn jetzt auch Menschen zur Hand nehmen können, denen im normalen Alltag wenig Zeit zum Lesen bleibt, und die einfach mal wieder tief in eine Geschichte eintauchen wollen.“ 

Mehr über Sabine Weiß und ihre Romane findet Ihr unter http://www.sabineweiss.com. „Der Chirurg und die Spielfrau“ ist als Taschenbuch für 11 Euro und als Ebook für 8,99 Euro erhältlich.

Bildquellen

  • Sabine Weiß: © André Poling