Es war der spektakulärste Raub im Jahr 2019 in Buchholz und Umgebung: Unbekannte Täter hatten am späten Abend des 05. Juli sowie während des 06. Juli diverse Schließfächer in der Sparkassenfiliale in der Poststraße geöffnet und Diebesgut im Wert von über einer Million Euro gestohlen. Während die Polizei immer noch nach den Tätern fahndet, sind die Sparkasse Harburg-Buxtehude und die Geschädigten weiterhin mit der Schadensregulierung beschäftigt. Wir haben nachgefragt, wie viele Kunden bereits entschädigt wurden und worüber noch Unklarheit herrscht.

Bislang sind 62 von 75 Kunden entschädigt worden, teilt uns die Sparkasse Harburg-Buxtehude mit. „Mit den Kunden, die noch nicht reguliert werden konnten, sind wir in intensiven Gesprächen. Teilweise persönlich, teilweise über deren Anwälte. Bei ihnen ist die Bewertung der eingereichten Unterlagen etwas umfangreicher. Manche der Kunden, die noch nicht vollständig reguliert werden können, haben aber bereits Abschlagzahlungen erhalten“, erklärt uns Thorsten Sundermann aus der Unternehmenskommunikation.

„Jeder Einzelfall wird geprüft“

Doch wo „hakt“ es noch mit den 13 noch nicht geklärten Fällen? „Jeder Einzelfall wird auf Basis der eingereichten Unterlagen sorgfältig geprüft und bewertet“, so Sundermann. „Hier arbeiten wir mit einem staatlich bestellten, externen Sachverständigen zusammen. Die von den Kunden eingereichten Unterlagen weisen eine sehr unterschiedliche Qualität auf. Das hat zur Folge, dass die Begutachtung durch den Sachverständigen erschwert wird oder zum Teil gar nicht möglich ist. Deshalb nehmen einige Vorgänge mehr Zeit in Anspruch. Eine Regulierung ohne Nachweise und nur auf Zuruf ist nicht möglich.“

„Sparkasse hat sich endlich bewegt“

Die Rechtsanwaltskanzlei Hennemann, die mehrere Geschädigte vertritt, warf der Sparkasse bislang eine Blockadehaltung vor. Jetzt habe sich die Sparkasse aber „endlich bewegt“, so Rechtsanwalt Jürgen Hennemann, der selbst auch zu den Geschädigten gehört. „In der vergangenen Woche (KW 47, Anm. d. Red.) standen wir vor dem Abbruch der Verhandlungen und waren darauf vorbereitet, die ersten Klageschriften zu fertigen und beim Landgericht einzureichen. Wir wären nicht mehr bereit gewesen, weitere sinnlose Verhandlungen mit der Sparkasse, beziehungsweise der sie vertretenden Anwaltskanzlei zu führen oder die bis dahin wiederholten Lippenbekenntnisse der Sparkasse noch länger zu akzeptieren.“ Hennemann weiter: „Drittklassige Vergleiche für unsere Mandanten mit Verschwiegenheitsklauseln, mit denen die Sparkasse andere Schließfach-Kunden abgespeist hat, sind für uns keine Verhandlungsbasis.“

Immer noch Kritik am Sicherheitskonzept

Die Täter konnten in aller Ruhe die Schließfächer ausräumen, da sie den elektronischen Kartenlese-Zugang manipuliert hatten. Daher erregte ihr zwei Tage andauernder Raubzug keine Aufmerksamkeit. Die Sparkasse war für ihr Sicherheitskonzept in die Kritik geraten. Einige Anwälte, unter ihnen Jürgen Hennemann, sowie Sicherheitsexperten bezeichneten diese als „mangelhaft“ oder sogar „fahrlässig“. „Nur eine angemessene Abschlagszahlung signalisiere die Bereitschaft zur Schadenregulierung. Und damit erkennt die Sparkasse Harburg-Buxtehude de facto ihre Verpflichtung zur Regulierung der Schäden ihrer Kunden an. Hätte die Sparkasse Harburg-Buxtehude die Schließfächer in ihrer Buchholzer Filiale besser gesichert, hätten die Diebe nicht so leichtes Spiel gehabt“, teilt Hennemann mit.

Zur Zeit nur begleiteter Zugang möglich

Die Schließfachanlage kann derzeit ausschließlich während der Öffnungszeiten betreten werden. Die Kunden müssen sich bei einem Berater ausweisen und werden dann in den Schließfachbereich begleitet.