Kurz vor Beginn der neuen Saison in der 2. Handball-Bundesliga der Damen haben wir uns mit den Luchsen zum Interview getroffen. Mit Geschäftsführer Sven Dubau, der Presseverantwortlichen Bettina Kortstegge und Neu-Torhüterin Zoe Ludwig haben wir über mangelnde Bekanntheit, Verantwortung eines Vereins sowie den Alltag einer Vollblutspielerin gesprochen. 

Welche Ziele setzt sich ein Verein, der zum zweiten Mal in Folge die zweithöchste Spielklasse gewonnen hat und wieder nicht aufsteigen konnte? Mit dieser Frage sind wir in das Gespräch eingestiegen. Doch bald wurde klar: Für die Luchse geht es nicht nur um die sportlichen Erfolge. Dennoch: „Unter die ersten sechs wollen wir schon kommen“, sagt Sven Dubau, der Geschäftsführer des Vereins. Das wird schwer genug: Die Liga hat kräftig aufgerüstet. Mehrere Vereine haben Spielerinnen aus dem Ausland verpflichtet, auch deutschlandweit hat sich einiges getan. Die zweite Liga geht weitere Schritte in ihrer Professionalisierung.

Die Liga professionalisiert sich

Torhüterin Mareike Vogel im Wildpark Schwarze Berge

Was erst mal ein wenig nach Schikane der „kleineren“ Vereine klingt, etwa ein reguliertes Einlaufprozedere, einheitliche Richtlinien, wie und wo Werbung in der Halle platzierte werden darf oder dass jeder Verein langfristig zwei Tribünen vorweisen muss, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als wichtiger Schritt. Denn was Sportarten wie Frauen-Handball und Vereinen wie den Handball-Luchsen fehlt ist Aufmerksamkeit.
Die Vereinheitlichung im Erscheinungsbild soll den Weg für eine mögliche Fernsehübertragung ebnen. Der Zuschauer ist von hochwertigen Sportübertragungen verwöhnt, die Bilder aus der Halle müssen professionell aussehen. Sonst schaltet der Zuschauer wohl möglich gleich wieder ab und nie wieder ein. Sollte diese Chance auf ein breiteres Publikum kommen, dürfen sich die Handballvereine diese nicht entgehen lassen.

Geringe Bekanntheit trotz zweier Titel

Das wissen auch die Luchse. Auch sie kämpfen mit der geringen Bekanntheit, sogar hier in Buchholz. Dabei sind zwei Meisterschaften hintereinander nun wirklich eine Erfolgsbilanz: „Viele Buchholzer wissen einfach nicht, dass wir alle 14 Tage in der NordHeideHalle Spitzensport und super Stimmung zu bieten haben“, bilanziert Dubau. „Wir verfügen nur über einen kleinen Etat. Wenig Geld = wenig Marketing = wenig Bekanntheit = keine steigenden Einnahmen.“ Daher lautet das Ziel des Team abseits des Spielfelds: bekannter werden!
Ihre Energie ziehen alle aus dem enormen Zusammenhalt und dem Teamspirit, der Spielerinnen, Betreuer und Fans motiviert und anstachelt: „Ohne Leidenschaft wäre es kaum möglich, den Verein am laufen zu halten“, so Dubau. Keine der Spielerinnen ist Profi. Die meisten arbeiten Vollzeit oder gehen zur Uni. Das heißt: zu 40 Arbeitsstunden kommt vier Mal die Woche Mannschaftstraining plus eine Krafteinheit. Am Wochenende dann die Spiele, auswärts geht es teilweise durch die ganze Republik.

„Sehr attraktiv, beim Meister zu spielen“

Torhüterin Zoe Ludwig

Viel Zeit für anderes bleibt da auch Zoe Ludwig nicht. Ihr bisheriger Verein, die HSG Freiburg, wird einer der Luchse-Auswärtsgegner mit der längsten Anreise. Die 19-jährigen will in Hamburg Sportökonomie studieren und hat sich daher nach einem neuen Verein im Norden umschauen müssen. „Ich habe die Luchse schon länger verfolgt“, erzählt sie, „außerdem ist es natürlich sehr attraktiv, beim amtierenden Meister zu spielen“. Zudem hat sie auch Verwandschaft im Norden. Zoe kommt aus einer Handballerfamilie, für sie gehört der Sport zum Alltag. Warum sie sind für den Platz zwischen den Pfosten entschieden hat? „Das Tor ist für mich die attraktivste Position: Du kannst zum Depp oder zum Held werden“, lacht sie. Eigentlich wollte sie es in ihrer ersten Saison im Norden langsam angehen lassen und sich eingewöhnen. Doch nach aktuellen Ausfällen beim Buxtehuder SV wurde Zoe mit einem Doppelspielrecht ausgestattet und steht jetzt vertretungsweise für Buxtehude im Tor.

Der Verein nimmt sich der Spielerinnen an

Bei der Eingewöhnung im neuen Umfeld hilft der Verein ihr und anderen Spielerinnen nach Kräften: „Bettina und Sven haben mich sehr bei der Wohnungssuche unterstützt“, berichtet sie. „Es ist wirklich toll, was der Verein für mich tut, da fühle ich mich auch in der neuen Umgebung nicht alleine gelassen.“ Dass der Verein Verantwortung für seine Spielerinnen übernimmt, ist Sven Dubau eine Herzensangelegenheit: „Man darf nie vergessen, die Damen sind alle keine Profis. Sie opfern jede freie Minute dem Sport, können da aber niemals von leben. Da sind wir einfach in der Pflicht. Eine junge Spielerin wie Zoe ist das erste Mal weit weg von zuhause. Das dürfen Vereine nicht unterschätzen, es ist unsere Aufgabe und Verantwortung, die Damen da aufzufangen und zu begleiten.“

Wer einmal bei den Luchsen war, kommt wieder

Die Luchse Supporter

Diese Verantwortung möchte er wahrnehmen, kommt aber immer wieder an den Punkt, an dem es finanziell einfach eng wird: „Das Problem in Buchholz, wenn man es so nennen will, liegt darin, dass es wahnsinnig viele gute Sportangebote gibt. Es gibt die Fußballer, die Turner, die Tänzer und uns. Bei nicht mal 40000 Einwohnern ist es klar, dass die nicht jede Woche alle Sportstätten besuchen können.“ Dabei hätte Zoe sogar schon eine Idee, wie man die Leute in die Halle lockt: „Ich denke, es geht über die Kinder. Wenn Kinder in der Schule an den Handball herangeführt werden, verstehen sie zum einen von Anfang an die Regeln und ziehen zum anderen ihre Eltern mit in die Halle.“ „Und wer einmal in der Halle war, der kommt wieder!“, ergänzt Bettina Kortstegge.

Selbstvermarktung ist überlebenswichtig

Um mehr Zuschauer in die Halle zu locken, will Dubau künftig mit Team und Mannschaft neue Wege gehen. „Wer nicht wirbt, der stirbt! Wir sorgen bei unseren Spielen für Spaß und Erfolg. Das müssen wir noch mehr Menschen aus Buchholz und Umgebung klar machen.“ Noch ist er bei diesem Projekt aber geduldig: „Die Handball Luchse Buchholz 08 – Rosengarten gib es in dieser Form erst seit 2017, das muss noch wachsen. Andere Vereine sind einfach viel verwurzelter in Buchholz.“

3. Tag des Handballs

Um die Bekanntheit des Vereins zu steigern, findet dieses Jahr der 3. Tag des Handballs zum ersten Mal in der Innenstadt statt. Am 31. August feiern die Luchse gemeinsam mit Euch ihren Sport und gleichzeitig auch das 111. Jubiläum des TSV Buchholz 08. Von 10 bis 22:30 Uhr dreht sich alles rund um den Peets Hoff um Sport. Wir von Buchholz Connect werden auch mit unserem Radio dabei sein und live von dort senden.