Plastikmüll überschwemmt die Meere und den Planeten. Immer mehr Initiativen haben es sich zum Ziel gesetzt, unseren Verbrauch kritisch zu hinterfragen und einzudämmen. Die Buchholzerin Alexandra Miemczyk hat zunächst ihren eigenen Verbrauch an Plastikmüll reduziert. Mit ihrer Erfahrung unterstützt sie nun andere. Sie gibt uns im Interview Tipps, was wir im Alltag tun können, welche Probleme bei dem Vorhaben lauern und warum Missionieren nicht ihr Ding ist.  

Buchholz Connect: „Alex, was hat Dich dazu gebracht, Dich auf den Weg zu einem Alltag mit weniger Plastik zu machen?“

Alex: „Das Schlüsselerlebnis kam vor drei Jahren, als nach jedem Abendessen eine Plastikverpackung vom Käseaufschnitt übrig blieb und mein Mann alle vier Wochen sechs Gelbe Säcke mit der Schubkarre zur Straße fahren musste. Das durfte so nicht mehr weiter gehen. Und die Meldung, die durch die Medien ging: „Wenn wir so weiter machen, schwimmt im Jahr 2050 mehr Plastikmüll als Fische in den Meeren“. So eine Welt möchte ich unseren Kindern, die 2050 ungefähr in meinem Alter sein werden, nicht hinterlassen. Das hat mich aus der Komfortzone bewegt.“

Drei einfache Tipps gegen Plastikmüll

Buchholz Connect: „Für die meisten von uns klingt es vermutlich erst mal nach einem riesen Projekt, Plastikmüll zu reduzieren. Was sind Deine drei einfachsten Tipps, um Plastikmüll im Alltag zu vermeiden?“

Alex: „Ersetzen nicht Verzichten ist mein persönliches Motto. Bitte bloß keine radikalen Hauruck-Aktionen oder Stress. Am besten mit einer Sache anfangen, die für einen persönlich leicht umzusetzen ist, wie z.B. ab sofort Getränke in Pfandflaschen kaufen und auf gesprudeltes Leitungswasser umsteigen. Wenn sich das etabliert hat, den nächsten Schritt gehen, z.B. Obst und Gemüse nur lose im wiederverwertbaren Beutel kaufen. Dritter Schritt: Flüssighandseife und Duschgel durch ein Seifenstück ersetzen und beim Kauf von Pflegeprodukten auf versteckte Mikroplastik achten. Das geht z.B. über Codecheck.info. Meist wird der Ehrgeiz geweckt und es fängt an, richtig Spaß zu machen. Spätestens wenn man sieht, wie die gelben Säcke schrumpfen. Jeder hat da seine persönliche Reihenfolge, seinen eigenen Weg.“

Probleme gibt es immer!

Buchholz Connect: „Welches sind die drei größten Probleme, auf die Du gestoßen bist?“

Alex: „Problem Nummer eins bei der Vermeidung von Plastikmüll: Toilettenpapier ohne Plastikverpackung zu finden, das weder 2,50€ pro Rolle kostet, noch um die halbe Welt aus China per Schiff zu uns kommt, das Smooth Panda Toilettenpapier aus Bambus ist so ein Beispiel. Mein Kompromiss ist Recycling Toilettenpapier mit dem Blauen Engel. Problem zwei: Nicht müde werden, sich immer wieder wiederholen zu müssen: „Nein, ich möchte sicher keinen Strohhalm in mein Getränk haben“ und „Nein, ich brauchte keinen Plastikbeutel für die Bananen“. Und Problem Nummer drei: Sich selbst nicht verrückt machen. Es perfekt zu machen ist meines Erachtens nach unmöglich und auch nicht notwendig. Viel wichtiger ist es, dass man anfängt ETWAS gegen diesen Plastikwahnsinn zu tun. Jeder noch so kleine Schritt zählt.“

ANDERE LESEN AUCH
Winzerfest 2019 in Buchholz

„Ich missioniere nicht“

Buchholz Connect: „Wie begegnest Du Kritikern, die das alles für Quatsch halten bzw. sagen, dass es eh keinen Sinn macht, Plastikmüll zu vermeiden?“

Alex: „Ich missioniere nicht und mühe mich auch nicht an den „Leugnern“, wie ich sie nenne, die das Thema für überzogen halten, ab. Ich lasse sie, wie sie sind. Meine Energie gehört denen, die interessiert und aufgeschlossen sind. Ich lebe vor, spreche darüber, meine “Tür” ist offen, kommen müssen sie aber von selbst. Jeder in seinem eigenen Tempo und Stil. Ich bin aber davon überzeugt, dass es selbstverständlich Sinn macht, auf den Plastikverbrauch zu achten. Die Situation, in die wir uns im Laufe der letzten 50 Jahre durch den massiven Konsum von Wegwerfartikeln gebracht haben, ist nun mal da. Die Meere sind voll von Plastik. Wir können die Uhr leider nicht zurückdrehen. So weitermachen ist aber auch keine Option. Gerade seit dem vergangenen Jahr ist zu spüren, dass nicht nur bei den Verbrauchern, sondern auch in der Politik und bei den Herstellern ein Umdenken stattfindet. Den Großteil unverpackter oder plastikfreier Produkte kaufe ich in Buchholz in ganz normalen Geschäften. Den Blick dafür bekommt man mit der Zeit.“

Vermeidung von Plastikmüll: Viele Infomöglichkeiten

Buchholz Connect: „Wie können sich Interessierte langsam an das Thema wagen und sich informieren?“

Alex: „Wie und wo man hier in der Gegend ohne Unverpacktladen müllfrei einkaufen kann, erzähle ich in Vorträgen. Die öffentlichen Termine sind auf meiner Homepage www.lebe-lieber-unverpackt.com zu finden. Über die Homepage kann man sich auch für einen monatlichen Newsletter anmelden, in dem ich meine neuesten Entdeckungen und Rezepte teile. Oder man schaut bei Instagram unter lebe_lieber_unverpackt. Wer Lust hat, kommt zum Stammtisch ins Caspari. Dort tausche ich mich jeden letzten Montag im Monat ab 19 Uhr mit Interessierten in einer ungezwungenen, lockeren Runde aus. Das nächsten Treffen ist am 30. September.“

Besucht diesen Vortrag von Alex und Greenpeace

26Aug19:30Plastik-Müll? Ohne uns!19:30 Rathauskantine