Wie konnte das passieren? In der Buchholzer Sparkassen-Filiale in der Poststraße haben Kriminelle am vergangenen Wochenende unbemerkt etwa 100 Schließfächer ausgeräumt. Für die Geschädigten ist jetzt vor allem wichtig, wer für den Schaden haftet. Sie beklagen finanzielle und ideelle Verluste. 

Ein betroffener Kunde bemerkte den Diebstahl als Erster. Als er sein Schließfach diese Woche öffnete war es leer. Die Bank stellte dann fest, dass mehrere Fächer ausgeraubt wurden. Insgesamt sind es Stand heute, 12. Juli, 100 Fächer.
Die Sparkasse hat mittlerweile alle Geschädigten informiert. Betroffene haben Buchholz Connect von hohen Geldverlusten und dem Verlust von unersetzlichen Erbstücken berichtet. Einige Kunden wären angesichts der Nachricht über den Diebstahl in Tränen ausgebrochen. Da die meisten Kunden ein Schließfach angemietet haben, um ihre Wertsachen besonders zu schützen, ist das Entsetzen nachvollziehbar.

Wie funktionieren die Schließfächer?

Was die Sparkasse auf ihrer Seite als Vorteil bewirbt, haben sich die Diebe in diesem Fall offenbar zu Nutze gemacht: „Mit einer Code-Karte erhalten Sie hier auch über die Öffnungszeiten hinaus Zugang zu Ihrem Schließfach.“ Das heißt, dass kein Bankmitarbeiter zugegen sein muss, damit jemand an die Schließfächer kommt.
In der Buchholzer Filiale erfolgt der Zugang zu den Schließfächern über einen gesonderten Raum. Zutritt hat man mit seiner Girokarte und dem dazugehörigen Pin.
In diesem Raum muss man Karte und Pin nochmal eingeben. Erst dann wird das Schließfach aus dem Keller hochgefahren. Geöffnet wird das Fach dann mit einem Schlüssel. Die Täter haben sich den Zugang zu den Schließfächern scheinbar nicht mit Gewalt verschafft, sondern das Sicherheitssystem ausgetrickst. Wie sie genau vorgegangen sind, wird nun ermittelt.

Was können Betroffene jetzt tun? 

Der Tostedter Rechtsanwalt Michael Oehlrich vertritt einen der Geschädigten.

Was können Betroffene nun tun? „Wir befinden uns noch ganz am Anfang der Ermittlungen. Zum einen der Ermittlungen der Polizei, wie der Diebstahl genau ablief, zum anderen ermittelt die Sparkasse die Inhalte der betroffenen Schließfächer.“ Jeder Geschädigte möge gut in sich gehen und überlegen, was in dem Schließfach wirklich drin war. Ohne konkreten Nachweis des Inhaltes wird es allerdings schwierig, bei der Versicherung oder Bank zu beweisen, was gestohlen wurde.

Ist die Bank ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen?

Bislang gäbe es von der Sparkasse noch keine Stellungnahme bzgl. einer möglichen Entschädigung. Laut Oehlrich ist vor allem die Frage relevant, ob die Bank eventuell ihre Sorgfaltspflicht verletzt haben könnte: „Es macht schon einen Unterschied, wie der Raub vonstattengegangen ist. Wenn bewaffnete Räuber gewaltsam in die Bank eindringen, Mauern durchbrechen und die ganze Anlage stehlen, kann eine Bank da kaum etwas gegen machen. Wenn aber mehrere Täter über zwei Tage verteilt unbehelligt und in aller Ruhe die Schließfächer ausräumen können, muss sich die Bank fragen lassen, wieso das so einfach möglich war. In unserer digitalen Welt sollte es für eine Bank eigentlich ein Leichtes sein, solche Unregelmäßigkeiten durch technische Überwachung festzustellen.“

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Bank muss sich Fragen gefallen lassen

Denn obwohl es sich bei einem Schließfachvertrag um ein reines Mietverhältnis handelt, muss die Bank Mindeststandards für die Sicherheit gewährleisten. „Die Kunden zahlen schließlich Gebühren – dafür muss die Bank schon etwas mehr liefern als einfach nur das reine Schließfach.“ Er rät Betroffenen, die Reaktion der Bank abzuwarten. „Sollte sich die Bank gar nicht oder wenig kulant zeigen, müsste rechtlich geprüft werden, ob sie ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen ist.“

Schließfachinhalt nicht automatisch versichert

Bei vielen Banken ist bei der Anmietung eines Schließfaches ein Versicherungsschutz, etwa gegen Feuer- und Wasserschäden oder Diebstahl, nicht im Mietpreis enthalten. Das gilt auch für die Sparkasse Harburg-Buxtehude. Sie empfiehlt auf ihrer Internetseite, eine entsprechende Versicherung abzuschließen: „Wertgegenstände innerhalb Ihres Schließfaches können durch Feuer, Raub, Leitungswasser oder Einbruchdiebstahl beschädigt oder vernichtet werden beziehungsweise abhanden kommen. Die Sparkasse haftet für diese Schäden nur bei eigenem Verschulden. Deshalb empfehlen wir Ihnen zusätzlich unsere kostengünstige Schließfachinhalt-Versicherung.“

Versicherungsschutz klären!

Bevor Ihr ein Schließfach anmietet, werft einen Blick in die AGBs. Eine entsprechende Versicherung kostet natürlich extra. Gegebenenfalls sichert das Bankschließfach über Eure Hausratversicherungen ab. Bargeld ist bei einige Versicherungen in einer Schließfachabsicherung ausgeschlossen.

Inventarliste anfertigen

Wenn Ihr Euch für ein Schließfach entschieden habt, solltet Ihr auf jeden Fall genau dokumentieren, was Ihr in dem Schließfach verwahrt. Am besten fertigt Ihr eine Liste mit den enthaltenen Gegenständen an und sammelt Beweise dazu, wie Kaufbelege, Fotos oder bei Schmuck ein Nachweis eines Juweliers. Dieses Nachweisdokument solltet Ihr sicher verwahren, im Zweifel sogar bei einem Notar. Denn nur dann zahlt die Versicherung im Schadensfall. Wenn Ihr Bargeld in dem Schließfach deponiert habt, wird der Nachweis schwieriger. Eine Möglichkeit: Macht Fotos von jedem Schein mit sichtbarer Seriennummer.